10 | 08 | 2022

Die Zitadelle – ein Rundweg im Norden der Stadt

Ein neues Projekt des Heimatverein

Wie soll man das Projekt nennen? Zitadellen-Rundweg? Citadella Coesfeld? Open-Air-Galerie? Museum 4.0? Oder ganz anders? Der Heimatverein wird sich wesentlich an einem Projekt beteiligen, das auf eine breite Bürgerbeteiligung zielt und eine große Chance für die Kultur und Geschichte unserer Stadt und darüber hinaus bietet. Es geht um die Zitadelle im Norden der Stadt (bestehend 1655–1688).

Geschichtliches

Der Heimatfreund kennt diese regional- und lokalhistorisch bedeutende Festungsanlage, die noch in zwei Ruinen, einer Ludgerusstatue und einigen Bodenmarkierungen erhalten ist und an die einige Straßennahmen erinnern: die Zitadelle Christoph Bernhards von Galen. Der von 1606–1678 lebende Fürstbischof gilt unter den 76 Bischöfen von Münster als einer der bedeutendsten und ist in die Geschichte als "Bommen-Berend" (Bombenbernd oder Kanonenbischof) eingegangen. Er agierte nach dem 30-jährigen Krieg als absolutistischer Landesherr, verfügte zu Zeiten über 12.000 Soldaten zu Fuß und über 2.000 Soldaten zu Pferde, womit er auch die protestantischen Niederlande angriff. Der 1661 niedergerungenen Bürgerschaft Münsters setzte er eine Zitadelle ähnlich der in Coesfeld vor die Nase (heutiger Schlossplatz/Schlossgarten). 1666 begann er einen weiteren Zitadellenbau in Vechta. Coesfeld wählte er als seinen Regierungssitz und faktisch als Hauptstadt des Fürstbistums – für tatsächlich fast ein Vierteljahrhundert.

Grundidee

Die Idee ist, auf dem Grundriss dieser ehemaligen Zitadelle in Coesfeld einen 3-4 km langen Rundweg zu gestalten - und zwar als dauerhaftes Projekt und mit einer breiten Bürgerbeteiligung. Ein Gemeinschaftsprojekt also der Stadtgesellschaft. Die Stationen und Grundmarkierungen an den bereits vorhandenen Wegen sollen in den nächsten Jahren erarbeitet werden. Alle Coesfelderinnen und Coesfelder sind eingeladen mitzuarbeiten. Der Rundweg soll Bereiche der Geschichte, der Kultur/Kunst, der Natur, des Sports und der Gesellschaft/Wirtschaft des Raumes umfassen. Angesprochen sind Kindergärten, Schulen, VHS, Musikschule, FBS bis hin zu unseren Sportvereinen und Naturschutzverbänden, forschende und kreative Einzelpersonen/Künstler und Einrichtungen wie das Stadtmuseum, an dessen Rundgänge auch grafisch und technisch angeknüpft werden sollte: Hier bestehen nämlich bereits Informationstafeln (Blickpunkte „Jüdisches Leben“ und Handel und Handwerk“).

Die (vielleicht 12 bis 15) Informationstafeln an diesem Rundweg sollen Grundinformationen liefern und über einen QR-Code und eine App viele weitere digitale Angebote wie zeichnerische Animationen, Audios, Videos anbieten. Deren Verteilung und Gestaltung soll unter Moderation eines erfahrenen Gestaltungsbüros mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern entwickelt werden. Wichtig sind aber vor allem die daran angebundenen Stationen am Rundweg, die einen Ermöglichungsraum für Engagements und Veranstaltungen darstellen sollen. Oftmals werden sie direkte Bezugspunkte zur ehemaligen Zitadelle haben können, müssen es aber nicht.

Viele Ideen

An Ideen mangelt es nicht. Die Einzelprojekte können historischer Art sein, z. B. Ergänzungen des Basismaterials (der oben gezeigte historische Grundriss bedarf wohl auch einer Korrektur), Auseinandersetzung mit dem Thema Frieden und Krieg, Religion und Krieg, Vorführungen zur Militärgeschichte. Oder sie können künstlerische Arbeiten zeigen, z. B. temporäre Figuren aus vergänglichen Materialien, Lyrikausstellungen, Performances von Schulen oder dauerhafte Installationen einzelner Künstlerinnen und Künstler wie Skulpturen, Klang- und Lichtinstallationen („Skulpturenpfad“). Auch gärtnerische und naturkundliche Anlagen würden eine große Anziehungskraft haben. (Ein Insektenhotel mit Blühwiese gibt es bereits, geschaffen von engagierten Nachbarn.) Denn die Coesfelder mussten im 17. Jahrhundert für den Bau der Befestigungswälle ihre Gärten hergeben. Man könnte z. B. historische Obst-, Gemüse- oder sogar Getreidesorten anbauen oder die Wiederansiedlung verlorener (und gut belegter) Gräser- und Blumenarten versuchen. Auch das Thema Wallhecken ist in unserer Region wieder aktuell. Ein Storchenhorst könnte gebaut werden. Projekte im Bereich „urban gardening“ blühen ebenfalls allerorten. Und nicht zuletzt könnten sportliche Angebote wie z. B. ein Niedrigseilgarten aus Naturmaterial (mit Schwingstationen u. ä.) oder ein Barfußpfad geschaffen werden. Es sind auch naturwissenschaftliche Projekte denkbar (Planetenweg, geometrische Figuren, ballistische Berechnungen). Und da ein Teil des Weges an den Bahngleisen verläuft, könnte auch das Thema Transport, Verkehr und Wirtschaft mit pfiffigen Mitmach­angeboten gestaltet und bewusst gemacht werden (z. B. Mühlen/Getreide für den Bomben-Bernd, Ochsenkarren, Eisenbahnstrecke Coesfeld – Münster). Ob solche oder ganz andere Ideen verwirklicht werden, das sollen die engagierten Bürgerinnen und Bürger der Steuergruppe in der Hand haben.

Aussichten

Es soll sich auch ein touristischer Mehrwert ergeben. Vier gastronomische Anbieter liegen direkt an diesem Weg. Der Stadtmarketing wird mit einbezogen und die Vernetzung in das touristische Konzept z. B. des
Münsterland e. V. und des Westfälischen Heimatbundes wird über Apps und Veranstaltungshinweise im Internet u. a. angestrebt. Anfangs- und Endpunkt von geführten Touren könnte unser Stadtmuseum Das TOR am Mühlenplatz sein, in dem sich ja seit 2021 eine Station mit dem Thema Fürstbischof und Zitadelle befindet.

Am Heimatverein soll eine offene Steuergruppe angedockt werden, die das Projekt moderiert. In den ersten Jahren wird mit Hilfe eines Gestaltungsbüros eine professionelle Grundlage des Rundwegs erarbeitet, um einen validen Möglichkeitsraum zu schaffen. Die finanziellen und planungstechnischen Grundlagen wurden in Gesprächen bereits ausgelotet. Die Aussichten einer Realisierung sind gut.

Unsere Zitadelle wird wieder zum Leben erweckt – diesmal nicht zu militärischen Zwecken, sondern für unsere Stadtgesellschaft und die Region, für das heimatliche Geschichtsbewusstsein und für ihr kulturelles, naturkundliches, sportliches und natürlich ihr gesellschaftliches Leben. So können wir für unser Gemeinschaftsleben und eine neue (touristische) Attraktion einen Rundweg schaffen, der diese historisch bedeutsame Festungsanlage zurück in unser Bewusstsein bringt, vor allem sie aber zu einem Ort unserer friedlichen Identität heute macht. 

Video zum Projekt: http://s.de/2iwa